Das Poolbar Festival in Feldkirch macht Jahr für Jahr das Alte Hallenbad in Feldkirch im Sommer zu einem grenzüberschreitenden Hotspot für 20.000 Besucher. Von 1997-2012 war Zeughaus für das Jahresmotto und sämtliche grafischen Maßnahmen vom Plakat bis zum Bierbecher zuständig. Wir laden dich auf eine Zeitreise ein, um mit uns die visuelle Geschichte des Poolbar Festivals zu erkunden. Es begann im Jahr…
Im ersten Jahr der Poolbargrafik – zuvor gab es kein Plakat – begaben sich Klaus und Peppi auf Nachbarschaftserkundung. Sie baten Feldkircher Einwohner, sich neben ihren Rasenmähern fotografieren zu lassen. Die so entstandenen Bilder schmückten Flyer und andere grafische Mittel. Das Plakat zeigt die Explosionszeichnung eines Rasenmäherstarters.
Die Sommer fordert ihre Opfer. Kein Motto sorgte für so viele Spekulationen. Über zehn Jahre später traf Klaus einen Bekannten, der ihn ansprach: »Endlich bin ich draufgekommen, was der Spruch bedeutet!« Erstmals gab es 1998 ein eigenen DJ-Liner.
Die grafisch reduzierte Umsetzung der 99er Poolbar zeigt die Bahnen und Kacheln des Pools im Alten Hallenbad. Hier hat auch der Badegast mit nasser Anzughose Premiere. Auch wenn er von Herwig Bauer als Quasi-Logo bis heute gerne eingesetzt wird: er ist nicht das Poolbar-Logo. Die Poolbar hat nämlich kein Logo. Und sie bekommt auch keines. Zumindest nicht von uns.
Der Bademeister. Die Figur spazierte durch Feldkirch und sorgte für Ordnung in den Straßen. Das Bildmaterial, selbst fotografiert von Peppi (rechts im Bild) und Klaus (links im Bild), diente als Basis für die Gestaltung der Millenium-Poolbar.
Die Statistik-Poolbar zeigt eine schematische Darstellung des Festivals. Jeder Floor hat eine Ebene, jede Gattung eine Farbe. Die Aufteilung demografischer und geografischer Eigenschaften der auftretenden Künstler fanden ebenso Platz wie die Sponsorenlogos, die sich beängstigend rasch zu vermehren begannen.
Die erste Generation der Poolbar-Besucher fingen damals an, zu nörgeln und zu kritisieren. Zuviel Mainstream, zu junge Hupfer und so weiter. Prompt nahmen wir der Diskussion den Wind aus den Segeln, indem wir den Vorwurf zum Jahresmotto machten. Gewagt, gewonnen. Das Faltplakat/Programm auf Beipackzettelpapier war grafisch auch ziemlich cool.
Das Motto Inflagranti beschrieb das Verhältnis von Nischen- und Popkultur. Die eher schäbig freigestellte Illustration und die goldene Rose setzten Kitsch-Akzente, die sich durch die ganze Grafik durchzogen.
Das Alte Hallenbad und die direkte beherbergen ja nicht nur einmal im Jahr das Festival. Das ganze Jahr über leben hier sehr, sehr geduldige Anrainer. Diesen zum Dank sei auf die Population hingewiesen. Population spielt natürlich auch mit dem Wort Pop im Sinn von Pop-Werdung und spiegelte das Programm wider.
Die ersten willkommenen Sonnenstrahlen und ein verkniffener, aber glücklicher Blick in die Sonne. »Blend« im deutschen Sinn, aber auch im englischen, die Mischung macht das Festival. Live am Schauplatz fotografierten wir über hundert Feldkircher, zu Gast oder nativ. Plakate gab es vier, und weitere Gesichter fanden sich auf Flyern, Inseraten und Bechern ebenso wie auf den Poolbar-Taschen, die es im Style-Shop zu kaufen gab. für dieses Projekt erhielten wir den Joseph Binder Award in Gold.
Der Wunsch nach solidem Unsinn – Dada ist auch 2013 wieder Thema – führte zum Konzept Blumen mit Helm. Die seltsame Verbindung der beiden Gegenstände würde durch eigens komponierte Blumenbuquets ermöglicht (»Wir hätten gerne zwei Blumensträuße, die zu diesen Helmen passen bitte.«) Leider wurde das Konzept von einigen Besuchern als traurig und pietätslos betrachtet. Motorradunfall, hieß es. War nicht so geplant.
In einer Kooperation mit dem Vorarlberger Tierheim stellten wir alle grafischen Flächen den heimatsuchenden Tieren zur Verfügung. Auf Inseraten, Bechern, im Magazin und so weiter konnte das Vorarlberger Tierheim eigene Fotos der zu vermittelnden Tiere platzieren. Viele Tiere fanden sie eine neue Heimat. Das Tierheim konnte kaum glauben, dass wir ihnen das alles kostenlos angeboten haben. Eine gute Sache.
Das Spiel mit Normalität und Symbolik führte dazu, das bedeutungsschwangerste Plakat ever zu gestalten. Das Mammut steht für das Mammutfestival und spielt auf das Wachstum der Poolbar hin. Die Fontänen stellen Vielfalt und Leben dar. Die Ähre steht für den (Herwig) Bauer. Die Plakate waren sehr, sehr sichtbar weil neonfarbig gedruckt.
Die grafische Linie des 16. poolbar-Festivals trat der damals allgegenwärtigen Wirtschaftskrise mit Wild-West-Romantik entgegen. Im westlichen Leben stolpert jede/r öfter als gewünscht über das inflationär gebrauchte Zitat „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Bei allem Pathos, aller Abgedroschenheit: Diese Weissagung der Cree, einem Indianervolk Nordamerikas, ist aktuell wie eh und je. Und sie bildete die Grundlage der grafischen poolbar-Linie 2009. Wir brachten das Damals und das Heute in Verbindung und machten aus der poolbar ein Reservat der Freiheit, bietet ideellen Schutz durch romantisierten Wild-West-Kitsch – und kritisier(t)en dabei beiläufig die Mechanismen, die Wirtschaftskrisen heraufbeschwören: Hauptsache, es wird konsumiert, selbst wenn gar kein Geld da ist, kein Umdenken findet statt, lieber wird an brüchigen Plänen festgehalten. Bildhaft umgesetzt bedeutet dies: Indianerköpfe auf T-Shirts, klare Quellen, an denen einsame Indianer ihre Pferde tränken, Sonnenuntergangshimmel und Wattewolken.
Am 2. Juli 2009 berichtete die Navajo Times über den Künstler Ted Draper, der uns die Artworks für das Poolbar Festival 2009 zur Verfügung stellte. Auf unserer Suche nach geeigneten Künstlern stolperten wir über seine Website, und waren von den herrlichen Farben und der positiven Grundstimmung begeistert. Er lebt in einem Reservat in Chinle, Arizona, gleich neben den berühmten Canyons und ist ein Freidenker im besten Sinne: neben seiner künstlerischen Tätigkeit trainiert er eine Basketball-Mannschaft, die Jugendliche Arbeitslose von der Straße holt und ihnen eine Aufgabe gibt. Auf seiner Website können Drucke, Originale und Schmuck gekauft werden. Es war uns eine wahre Freude, mit Mr. Draper zu arbeiten.
Das Motto für 2010 "Der Schwarm" kam zustande, weil die Poolbar zum ersten Mal auch in der Wiener Pratersauna stattfand: ein Club, der in der ehemaligen Badeanstalt des Wiener Praters beheimatet ist. Die Parallele zum Hallenbad ist deutlich zu erkennen. Dieser Zug von West nach Ost und retour war Geburtshelfer für unsere Idee der Zugvögel, die den Warnklebern nachempfunden sind, welche man zur Sichtbarmachung von Glasflächen verwendet. Auch das Plakat schwärmte aus: die Vögel waren abziehbare Sticker, die sich in der ganzen Umgebung verteilten. Ein interaktives Plakat, könnte man sagen. Nach und nach leerten sich die Plakate, und die Aufkleber zierten immer mehr Tschen, Geldbörsen, Fahrräder, Autos und so weiter. Natürlich kamen hier nur hiemische Vögel zum Einsatz.
"Trieb und Frieden" schreibt sich das poolbar-Festival 2011 auf die Fahnen und kehrt somit zurück zur Spiritualität zu einer gelebten Sexualität, zum inneren Frieden, zu einer menschlichen Ursprünglichkeit zurück. Das alles keinesfalls gleichzusetzen mit Hippietum sondern vielmehr zu verstehen als gelebter Alltag. Und so haben wir uns für die schicken Unterhosen entschieden und finden es spannend, das sehr behaftete Peacesymbol auf Unterhosen einzusetzen, es in einen modernen Kontext zu setzen und das ohne dabei den verstaubten Hippigeist hochleben zu lassen. Eine mögliche Situation - einkaufende Menschen im Supermarkt als Beispiel für jenen tagtäglich gelebten Alltag. Ein Abend, ein Supermarkt in Altach, mutige Models plus viel Freude am Fotoshooting und dann wird das Ergebnis von Facebook als problematisch eingestuft und gelöscht.
Seit Jahren fehlte der Poolbar eine funktionierende Lüftungsanlage. Und immer noch war das Klima 2012 – bei aller Liebe zum Programm und vollen Bierbechern – nun, einfach tropisch. Wir haben nun also unter dem Motto »Heiße Luft« alle uns erreichbaren Hebel in Bewegung gesetzt, damit in Westösterreichs wichtigstem Kulturfestival der langersehnte Klimawandel eintritt. Es ist sozusagen unser Abschiedsgeschenk, denn ab 2013 hat die Poolbar nun ihre neue Lüftungsanlage erhalten. Wir wünschen Herwig Bauer und Team weiterhin viel Erfolg und gute Gestaltung.
Die von uns gestaltete Website finden Sie unter www.poolbar.at